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Baubiologe Peter Walkowiak im Interview

Erste Blockhaus-Kita Deutschlands

Das Domizil für die jüngsten Bewohner des Ortes ist wegen seiner Bauweise einzigartig in Deutschland.

Die jüngsten Bewohner in Neudorf beziehen in wenigen Tagen ihr neues Domizil. Gegenwärtig sind die Erzieherinnen mit dem Einrichten des neuen Hauses und mit dem Umzug beschäftigt. Was das Besondere an dem Bauwerk ist, darüber hat Antje Flath mit Peter Walkowiak gesprochen. Er ist Baubiologe bei der bauausführenden Firma Léonwood. Einem Unternehmen, das sich auf Holzblockhäuser spezialisiert hat.

"Freie Presse": Die neue Kinderkrippe in Neudorf ist die erste Kindereinrichtung im Blockhausstil in Deutschland. Was ist neben der Bauweise selbst das Besondere daran?


Peter Walkowiak: Die Vollblockbauweise: Die natürlichen Eigenschaften des gesamten Baus wirken dadurch einhundertprozentig auf die Bewohner. Während bei der herkömmlichen Holzrahmenbauweise mit Holzverschalung lediglich eine hübsche Optik erreicht wird, steckt bei dieser Bauweise wohngesunde Essenz dahinter: Luftfeuchtigkeits und Raumklimatisierung, kein Elektrosmog oder terrestrische Strahlung, immer ein angenehmes, warmes und behagliches Raumgefühl – im Winter wärmend und im Sommer kühlend.

Ein Haus komplett aus Holz - gibt es dafür besonders strenge Vorschriften im Bereich Brandschutz?


Die Feuerwiderstandsfähigkeit der von uns verwendeten Materialen ist nachgewiesen – bei einem praktischen Brandversuch. Demnach ist unser verwendetes Holz und damit das gesamte Bauobjekt schwer entflammbar. Nach einigen Prüfminuten ist das Feuer sogar erloschen. Massivholz hat einen eingebauten Brand-Selbstschutz-Mechanismus: Die verkohlte Kruste einer Bohle bildet eine schützende Schicht, die den Kern des jeweiligen Bauteils vor Zerstörung bewahrt.

Welche Materialien werden beim Bau der Kindereinrichtung verwendet und wie werden sie ausgewählt?


Wir bauen mit Bohlen aus nordischer Fichte, die getrocknet und sorgfältig mit modernen computergestützten Abbundmaschinen hergestellt wurden. Wir verbauen garantiert nur ausgewachsene Bäume aus Wäldern mit kontrollierter Forstwirtschaft aus den Hochgebirgslagen der Hohen Tatra.

Wie viel Holz wurde in Neudorf insgesamt verbaut?


Insgesamt wurden 159 Kubikmeter Holz verarbeitet.

Ist eine solche Bauweise im Vergleich zu herkömmlichen Methoden teurer?


In der Gesamtbilanz ist ein Blockhaus günstiger, weil Massivholz in Sichtqualität von seiner Natur her und vom Nutzer gewünscht keinerlei Anstriche, Putze oder zusätzliche Dämmung benötigt. Man kann sagen, dass das Haus mit dem Richtfest innen sowie außen fertig ist. Hinzu kommt bei diesem Bauobjekt lediglich der Innenausbau auf modernem und technisch neustem Stand.

Die Einrichtung im Erzgebirge ist die dritte ihrer Art in Europa. Wie sehen die Erfahrungen in den anderen beiden Blockhäusern aus? Sind die Mädchen und Jungen dort weniger krank?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Die Kinder wohnen eventuell zu Hause anders und haben dort beispielsweise gute oder schlechte Ernährungsgewohnheiten, was alles zur Gesundheit eines Kindes beiträgt. Aber: Halten sich die Mädchen und Jungen tagsüber in einer Blockhaus-Kindertagesstätte auf, ist dies definitiv förderlich für ihre Gesundheit, zum Beispiel bei Allergien.

Zur Person Peter Walkowiak: Der gebürtige Voigtländer ist Jahrgang 1951. Durch den Sport hat es ihn zunächst nach Berlin verschlagen - als Auswahlkader im Eisschnelllauf. Als Absolvent der einstigen Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig war er später bis zur Wende in Berlin als Trainer tätig. Danach gab es einige neue Herausforderungen, bis er schließlich 2009 das für sich „mehr als Stimmige“ gefunden hat: Fachberater im Blockhausbau. Viele Abschlüsse folgten und die Entscheidung, sich als Baubiologe ausbilden zu lassen. „Die Baubiologie ist die Lehre von den ganzheitlichen Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Wohnumwelt. Das Haus beziehungsweise die Wohnung wird dabei als die dritte Haut des Menschen betrachtet, als Bauorganismus“, erläutert er. Seinen privaten Lebensmittelpunkt hat er mittlerweile in der Nähe des Firmenhauptsitzes von Leonwood gefunden – am Rande des Spreewaldes.

Der Neubau: Die neue Krippe des Wald- und Naturkindergartens "Pusteblume" entsteht unter Regie des gleichnamigen Trägervereines. Konzipiert ist das Haus nach Angaben von Sabine Lang, der Vereinsvorsitzenden, vorerst für 36 Plätze – darunter auch einige heilpädagogische Plätze. Neben den drei Gruppenräumen für die Ein- bis Dreijährigen entstehen unter anderem ein Raum für die Essensausgabe sowie ein Aufenthaltsraum. Der soll auch Platz für sportliche Aktivitäten bieten. Derzeit ist geplant, dass die Mädchen und Jungen Anfang Februar in ihr neues Domizil einziehen.

Quelle: Freie Presse, Annaberger Zeitung, Redakteurin Antje Flath, Dienstag, 14. Januar 2014

Freie Presse - Interview Baubiologe Peter Walkowiak, LeonWood